Von:
Marina Novellino

e-wurzel.de

Hinter unserem Haus stand früher eine große, alte Eiche. Wir sind als Kinder damals in ihren Zweigen herum geklettert oder haben in ihrem Schatten gespielt.

Eines Nachts im Herbst stürmte es so sehr, dass die Eiche umzustürzen drohte. Zahlreiche Äste brachen ab. Am nächsten Morgen war von der einstigen Pracht nicht mehr viel übrig. Sie sah ein bisschen aus wie ein gerupftes Huhn. Am schlimmsten aber war der tiefe Riss, der von der Krone bis fast ganz hinunter zum Boden durch den Stamm lief. Der Blitz hatte eingeschlagen. Allen war klar, dass dieser Baum gefällt werden musste, bevor er noch auf eines der umliegenden Grundstücke stürzte. Die Feuerwehr rückte an und fällte die stolze Eiche. Nur ein Baumstumpf blieb übrig.

Ein Jahr später wuchs erstaunlicherweise bei diesem Stumpf ein kleiner Schössling.

Das ist mittlerweile viele Jahre her und aus dem kleinen Schössling ist schon eine richtig ansehnliche Eiche geworden.

Weil die Wurzeln sicher verborgen in der Erde überlebt haben, konnte der Baum wieder austreiben. Sie gaben ihm das Fundament zum Leben und versorgen ihn jetzt mit allem Nötigen, was er zum Wachsen braucht. Hier liegt die Kraft und die Stärke auch starke Stürme auszuhalten. Wenn der Baum dabei auch Blätter und Äste verliert, die Wurzeln halten den Stamm aufrecht und so kann sich der Baum regenerieren und erneuern, was er verloren hat.

Obwohl die Wurzeln tief unter der Erde und damit unsichtbar sind, sind sie doch der wichtigste Teil des Baumes. So ist es auch mit dem Glauben. Man trägt ihn mit sich. Unsichtbar für alle anderen, aber eine Stütze, die einem Halt gibt, die eigenen Stürme im Leben zu überstehen.